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Inhalte: Brunnzytig / Kramgassleist

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 2019  by Kramgasse.ch

Reaktionen auf den E-Prix 2019

Liebe Leistmitglieder

 

Formula E dürfte für Bern Geschichte sein. Zumindest in der gehabten Art und Weise. Die Behörden werden die vielen ungehaltenen Reaktionen nicht ignorieren können. Sie, die Mitglieder des Kramgassleists, haben zahlreich die Gelegenheit wahrgenommen, sich zum Grossanlass zu äussern. Es gab vereinzelt Positives zu vermelden, aber grossmehrheitlich äusserten Sie sich empört über das mangelhafte kommunikative Verhalten der Organisatoren und auch der Stadtbehörden. Ihre Voten fassen wir hier gerne zusammen und leiten sie dann auch in ungekürzter Fassung an den Gemeinderat weiter. Die Vereinigten Altstadtleiste werden zudem die Vorgänge rund um den E-Prix 2019 analysieren und mit den zuständigen Stellen das Gespräch suchen.

 

Das Positive zuerst: Die Fernsehübertragungen des E-Prix in aller Welt haben auf Bern aufmerksam gemacht und sind somit positive Werbung für unsere Stadt. Schade nur, dass die herbeigeströmten Gäste in der Unteren Altstadt die touristischen Highlights – gemeint sind die Brunnen, der Zytglogge, das Einsteinhaus oder die Klingende Sammlung, aber auch der Bärengraben – nur mit verbautem Umfeld ablichten konnten. Positiv bewertet wurde auch die Freundlichkeit der Mitarbeitenden und auch der Gewerbepolizei, die meist sehr bereitwillig Auskunft gaben und sich um die Anliegen der Geschäftsführer und der Bevölkerung kümmerten, soweit das in ihrer Macht stand. Und dass die Diskussionen über die E-Mobilität und damit auch die Mobilität in der Zukunft angeregt wurden, ist ein weiteres Plus des E-Prix in der Stadt Bern.

 

ABER: Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, sachlich, fundiert und differenziert über die E-Mobilität zu informieren und ihre Vor- und Nachteile zu erläutern, wurde mit Schlagworten und pauschalen Positivmeldungen gehandelt, die einer genauen Prüfung nicht standhalten. «Und natürlich war die Veranstaltung insgesamt eine riesige CO2-Schleuder», wie es Urs Ursprung zusammenfassend formuliert hat. Die riesigen Sattelschlepper, die die Altstadt fluteten, kamen mehrheitlich aus dem Ausland angefahren und verstopften während den langwierigen Auf- und Abbauarbeiten die Hauptader in der Unteren Altstadt. Die Einschränkungen bezüglich Zufahrt, Anlieferung und Lärm wurden von den meisten Anwohnerinnen und Anwohnern als unzumutbar bezeichnet. Schlimmer noch, das lückenhafte Blatt, mit dem schliesslich am 13. Juni ein paar Informationen für die Geschäfte und die Bewohner kommuniziert wurden, kam viel zu spät und war keine eigentliche Hilfe. Im Leistgebiet beklagten sich fast alle Geschäfte über zum Teil sehr deutliche Umsatzeinbrüche (z.B. Münsterkellerei, Apotheke Rathaus), weil einerseits die Laufkundschaft fehlte, andererseits die Zugänge zu den Lokalitäten verstellt und wenig einladend waren (Toi-Toi-Häuschen!). Immerhin: Auch hier keine Regel ohne Ausnahme: Die Gelateria Baci die Berna registrierte grossen Zulauf und die Kasse klingelte zur vollen Zufriedenheit des Inhabers.

 

Am meisten ärgerten sich Geschäfte und Anwohner zweifellos über die mangelhafte Kommunikation im Vorfeld des E-Prix. Die Organisatoren sind da ihrer Verantwortung ganz klar nicht nachgekommen und ihre Arroganz ärgerte viele Gewerbetreibende. Auch die Stadt Bern muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie einen Grossanlass bewilligt hat, ohne sich gross über die Nebenerscheinungen und die Ausmasse gesorgt zu haben, geschweige dann an die Betroffenen zu denken. Die mangelhafte Information erlaubte es zahlreichen Geschäften nicht, die Warenlieferungen effizient zu planen und sicherzustellen. Der «Chaesbueb» etwa wurde insofern überrascht, als die Gasse schon am Mittwoch um 5 Uhr morgens gesperrt war. Auf dem Informationszettel stand, die Gasse wäre am Freitag und Samstag gesperrt, aber nicht schon zwei Tage früher!

 

Ein weiteres Ärgernis waren die ungenügenden Sicherheitsabstände für das Durchkommen von Notfallfahrzeugen. Sie konnten sich zwar ihren Weg an den Bauwerken vorbei bahnen, aber manchmal nur im Schritttempo. Und unter der Voraussetzung, dass die Kellerzugänge geschlossen waren. Einige Kellertüren – oft der Notausgang von Ladengeschäften – konnten nicht mehr geöffnet werden, weil kein Abstand einberechnet wurde. «Wessen Gesetze gelten eigentlich, diejenigen der Behörden oder der Veranstalter?», fragt sich Franziska Lack vom Kellerladen ideale Fair Trade, bei der ein Durchkommen für die Feuerwehr nur mit geschlossenem Keller in Frage kam.

 

Die abschliessende Bilanz des Formula E-Wochenendes fällt sehr durchzogen aus. Heute können wir nur hoffen, dass zumindest für die Zukunft die Lehren aus diesem Anlass gezogen werden: Organisatoren aus dem Ausland müssen genau so wie ortsansässige ein klares Konzept vorlegen, das es den Behörden erlaubt, einerseits die Betroffenen zu informieren und andererseits einen Entscheid zu fällen, der den Anliegen aller Anspruchsgruppen gerecht wird. Oder wie es Nicolas Adamek formuliert: «Der E-Prix hätte eine tolle Veranstaltung sein können. Vielleicht etwas bescheidener im Auftritt, dafür aber grosszügiger in der Wertschätzung der Betroffenen.»

Update 04.07.2019

Besten Dank für die zahlreichen Rückmeldungen. Ihre Voten haben wir an den Gemeinderat weitergeleitet.

 

Nachfolgend der Link zur „Anwohnenden Umfrage Swiss E-Prix 2019“ des Veranstalters :

https://de.surveymonkey.com/r/Z259XZF